planen-bauen 4.0

Gesellschaft zur Digitalisierung des Planens, Bauens und Betreibens mbH

Nach langem Vorlauf wurde Anfang 2015 der Gründungs-vertrag für die „planen-bauen 4.0 – Gesellschaft zur Digi-talisierung des Planens, Bauens und Betreibens mbH“ (www.planen-bauen40.de) von 14 Verbänden und Institutionen in Berlin unterzeichnet (zur Pressemeldung). Die Gesellschaft ist seit Ende September 2015 im Handelsregister eingetragen.

Die planen-bauen 4.0 geht zurück auf eine Empfehlung der Reformkommission Bau von Großprojekten unter der Leitung von Bundesverkehrsminister Dobrindt. Sie hat die Aufgabe, die Digitalisierung der gesamten Wertschöpfungskette Planen Bauen und Betreiben in Deutschland zu gestalten, zu koordinieren und zu unterstützen. Sie soll helfen, Risiken zu identifizieren und für diese Lösungen zu entwickeln. Die Wertschöpfungskette umfasst dabei den gesamten Lebenszyklus von Bauwerken inklusive Rohstoffherstellung, Errichtung, Betrieb und Erhaltung, Rückbau und Recycling.

Die Gesellschaft bildet dabei eine nationale Plattform, die allen interessierten Kreisen offen steht. Ziel ist die breite Einbindung von Interessen und damit die Bündelung aller wirtschaftlichen, politischen und gesellschaftlichen Kräfte zum Thema Digitalisierung des Planens, Bauens und Betreibens.
Die Gründer haben sich darauf verständigt, dass die Ergebnisse der Gesellschaft nicht durch Einzelinteressen geprägt sein dürfen; sie sollen vielmehr neutral sein und offene Informationsstandards aufweisen. Die Gesellschaft versteht sich als Non-Profit-Organisation und verwendet Gewinne nur für die Förderung des Geschäftszwecks.

Die planen-bauen 4.0 bietet die einmalige Chance, dass die gesamte Branche die Digitalisierung ihrer Geschäftsfelder unter Berücksichtigung der jeweiligen Belange bestmöglich in Zusammenarbeit mit der Politik und der Wirtschaft koordiniert und voranbringt. Das Planungs- und Bauwesen ist durch die GmbH-Gründung hierbei schon einen deutlichen Schritt weiter als viele andere Branchen. Die Plattform „Industrie 4.0“ z.B. läuft derzeit nach wie vor nur als loser Zusammenschluss dreier großer Verbände mit den entsprechenden Abstimmungs- und Koordinierungsschwierigkeiten. Nicht zuletzt durch das Beispiel der Gründung der planen-bauen 4.0 wird erst jetzt für die Plattform Industrie 4.0 über eine andere verstetigende Rechtsform nachgedacht.

Die Digitalisierung wird – wie in anderen Branchen – auch im Planungs- und Bauwesen unaufhaltsam voranschreiten. Auch wenn das Building Information Modeling („BIM“) im Prinzip nur eine neue Methode der Umsetzung darstellt und keineswegs automatisch die Lösung aller Probleme der Planungs- und Baubranche bedeuten kann, wird das internationale Umfeld die dort vorherrschenden Abläufe und Prozesse nach und nach auch nach Deutschland tragen. Sicher besteht eine Möglichkeit für einzelne, noch einige Jahre im eigenen Berufsumfeld weiter zu wirken, ohne sich mit der Digitalisierung auseinandersetzen zu müssen. Der Blick in andere Branchen zeigt jedoch, dass diese Nischen stetig kleiner werden. Die zunehmende Digitalisierung wird dabei Auswirkungen auf nahezu alle Bereiche der heutigen Berufs- und Tätigkeitsbilder haben: Vom Vergabewesen über die Vergütungsregelungen bis hin zu sich maßgeblich ändernden Ausbildungsrahmen und -profilen.

staatssekretär-rainer-bombaDie Gesellschaft hat einen Aufsichtsrat, der von Staatssekretär Rainer Bomba aus dem BMVI geleitet wird. Die Bundesingenieurkammer ist durch ihren Präsidenten, Hans-Ullrich Kammeyer, in diesem Gremium vertreten.

Die Arbeit der Gesellschaft soll durch Fachbeiräte unterstützt werden. Der Zugang zu diesen soll allen Expertinnen und Experten ohne Rücksicht auf eine finanzielle Beteiligung an der Gesellschaft offen stehen. Die Beiräte werden durch die Geschäftsführung mit Zustimmung durch den Aufsichtsrat eingerichtet. Die Arbeit der Bundesingenieurkammer wird durch den AK Digitalisierung unterstützt.

Die planen-bauen 4.0 hat unter Einbindung der Gesellschafter und unabhängiger Experten einen Stufenplan für die Einführung von BIM in Deutschland im Auftrag des BMVI erarbeitet. Diesen Stufenplan hat Bundesminister Dobrindt am 15. Dezember 2015 auf dem ersten deutschen BIM-Gipfel der Öffentlichkeit vorgestellt. Im Januar 2017 fand im Rahmen des 2. BIM-Gipfels eine erste Evaluierung der Umsetzungsmaßnahmen statt (Bericht).

Neben dem BMVI engagieren sich auch das Bundeswirtschafts- und das Bundesbauministerium für das Thema BIM. Unter dem Aspekt „Digitalisierung des Mittelstandes“ hat das BMWi mehrere Fördervorhaben vorgestellt bzw. durchgeführt, die mittel- und langfristig die im Planungswesen vorrangig vertretenen kleinen und mittelständischen Büros in die Lage versetzen sollen, BIM und weitere digitale Instrumente gewinnbringend einsetzen zu können. Auch das Bundesbauministerium hat mehrere Pilotvorhaben vorgestellt, deren Begleitung und Umsetzung wertvolle Erkenntnisse für die schonende Implementierung der BIM-Methode in die deutsche Bau- und Planungslandschaft bringen werden.


weitere Informationen:

(Bildquelle Sts. Bomba: BMVI)