Sachverständige

Bestellung von Sachverständigen durch die Ingenieurkammern

1. Begriff

Bei dem Begriff des „Sachverständigen“ handelt es sich um eine rechtlich nicht geschützte Berufsbezeichnung. Grundsätzlich handelt es sich hierbei um eine Person, die über Sachverstand verfügt, der zur kompetenten, zutreffenden und begründeten Beantwortung von Fragen eines speziellen Fachgebietes erforderlich ist. Aber: nicht bei jedem, der von sich behauptet, ein „Sachverständiger“ zu sein, hat der Ratsuchende tatsächlich die Gewähr, an einen Fachmann mit einer fundierten fachlichen Grundlagenausbildung und umfassender Berufserfahrung zu geraten.
In der Praxis wurden daher zur Qualitätssicherung bestimmte Bestellungs- und Kontrollformen für Sachverständige entwickelt, mit denen ein solches umfassendes Fachwissen geprüft, bestätigt und fortlaufend kontrolliert wird.

Im Bereich des Bauwesens wird von folgenden Ingenieurkammern der Länder eine öffentliche Bestellung und Vereidigung von Sachverständigen vorgenommen oder das Verfahren in Kooperation mit anderen Bestellungskörperschaften durchgeführt:

  • Baukammer Berlin
  • Brandenburgische Ingenieurkammer
  • Hamburgische Ingenieurkammer-Bau
  • Ingenieurkammer Hessen
  • Ingenieurkammer Mecklenburg-Vorpommern
  • Ingenieurkammer Niedersachsen
  • Ingenieurkammer-Bau Nordrhein-Westfalen
  • Ingenieurkammer Rheinland-Pfalz
  • Ingenieurkammer des Saarlands
  • Ingenieurkammer Sachsen
  • Ingenieurkammer Sachsen-Anhalt
  • Architekten- und Ingenieurkammer Schleswig-Holstein

Hierbei werden die Kammern kraft gesetzlichen Auftrages auf Grundlage von § 36 Gewerbeordnung als öffentliche Bestellungskörperschaft tätig.
Die Ingenieurkammern Sachsen-Anhalt und Niedersachsen bestellen daneben auch Sachverständige Ingenieure über den Bereich des Bauwesens hinaus.

2. öffentlich bestellte und vereidigte Sachverständige

Der öffentlich bestellte und vereidigte (ö.b.u.v.) Sachverständige durchläuft bei der Ingenieurkammer als öffentlich-rechtlicher Bestellungskörperschaft ein formelles Prüfungsverfahren auf Grundlage der Sachverständigen- und Prüfungsordnungen der Kammern. In diesem Rahmen hat er seine persönliche Eignung und seine umfassende Fachkenntnis auf dem von ihm gewünschten Bestellungsgebiet nachzuweisen. Die Bestellungsgebiete sind in einer Nomenklatur zusammengefasst. Nach Abnahme und Bestehen der Prüfung wird der Sachverständige von der Ingenieurkammer öffentlich bestellt und vereidigt und hat damit das Recht sich „öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger“ zu nennen und sich mit einem Rundstempel der Kammer als solcher auszuweisen.
Für den Ratsuchenden wird somit erkennbar, dass ein ö.b.u.v. Sachverständiger ein Prüfungsverfahren durchlaufen und hierbei sein Fachwissen nachgewiesen hat.
Ö.b.u.v. Sachverständige werden deshalb von Gerichten, Privatpersonen und sonstigen Stellen, die auf eine fachkundige und unabhängige Begutachtung Wert legen herangezogen.

Der Antragsteller muss z.B.:

  • unparteilich, unabhängig und für die Sachverständigentätigkeit persönlich geeignet sein
  • mindestens das 30. Lebensjahr vollendet haben
  • über eine angemessene, in der Regel 3-5 jährige Berufspraxis verfügen
  • überdurchschnittliche Fachkenntnisse auf dem von ihm beantragten Bestellungsgebiet nachweisen können.

Weitere Bestellungsvoraussetzungen sind in den Sachverständigenordnungen der Ingenieurkammern der Länder bzw. der Muster-Sachverständigenordnung der Bundesingenieurkammer geregelt, die den Ingenieurkammern zur Übernahme empfohlen wurde.

Anträge auf Bestellung als Sachverständiger sind an die Ingenieurkammer des betreffenden Bundeslandes zu richten.

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