Bund

Das Bundeskabinett hat im Dezember 2014 ein umfangreiches Maßnahmenpaket zum Klimaschutz beschlossen. Bis zu 78 Millionen Tonnen Treibhausgase sollen durch das „Aktionsprogramm Klimaschutz 2020“ der Bundesregierung in den nächsten Jahren eingespart werden. 2020 soll der Ausstoß von Treibhausgasen in Deutschland um mindestens 40 Prozent gegenüber 1990 sinken. Um diese Zielmarke zu erreichen, hat die Bundesregierung eine ganze Reihe von Maßnahmen im „Aktionsprogramm Klimaschutz 2020“ verabschiedet.

Ein Ziel der Bundesregierung ist es dabei u.a., bis 2050 einen nahezu klimaneutralen Gebäudebestand zu erreichen. Bereits bis 2020 sollen 14 Prozent des Endenergieverbrauchs für Wärme und Kälte aus erneuerbaren Energien stammen. Dafür ist eine Verdoppelung der Sanierungsrate erforderlich. Eckpunkte dieser Strategie sind Bestandteil des Nationalen Aktionsplans Energieeffizienz (NAPE), der am 03.12.2014 von der Bundesregierung beschlossen wurde. Im Vordergrund steht dabei nicht nur die energetische Optimierung der Gebäude – vielmehr wird die optimale Nutzung des Gebäudes oder des urbanen Raumes in den Blick genommen.

Vor diesem Hintergrund wurden in den einzelnen Ministerien verschiedene Plattformen und Aktionsbündnisse unter Beteiligung aller Akteure – Länder, Kommunen, gesellschaftliche Gruppen und Verbände gegründet oder einzelne Vorhaben der Öffentlichkeit vorgestellt. Die Bundesingenieurkammer ist in diese Aktivitäten auf vielfältige Weise neben ihrem berufspolitischen und berufsrechtlichen Engagement (siehe Themen „Berufspolitik“ und „Recht“) eingebunden.


Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi)

Nationaler Aktionsplan Energieeffizienz (NAPE)

Der NAPE beschreibt die Energieeffizienzstrategie der Bundesregierung für die 18. Legislaturperiode. Neben einer Verschärfung der EnEV und einer Verstetigung und Weiterentwicklung der KfW-Förderprogramme sollen auch Anforderungen an die Energieberatung geprüft und formuliert werden. So soll z.B. auch geprüft werden, ob der „Energieberater“ als Berufsbild definiert werden kann. Ferner soll die Energieeffizienzberatung systematisiert und für die einzelnen Anwendungsfelder Qualitätskriterien für Energieberater definiert werden. Die Bundesregierung wird dabei prüfen, ob zur Qualitätssicherung der Energieberatung bestehende Qualitätssicherungsinstrumente der Energieberatung – wie etwa die Energieeffizienz-Expertenliste – auf weitere Zielgruppen ausgeweitet werden können.

Der Arbeitskreis Energieeffizienz der Bundesingenieurkammer wird hierzu ebenfalls beraten und seine Empfehlungen einbringen.

Energiewende Plattform Gebäude

Zur Umsetzung der klimapolitischen Ziele der Bundesregierung wurde im BMWi die Energiewende Plattform Gebäude gegründet, an der auch die Bundesingenieurkammer beteiligt ist. Bis zum Jahr 2050 will die Bundesregierung einen nahezu klimaneutralen Gebäudebestand erreichen. Gemeinsam mit den Akteuren aus Immobilienwirtschaft, Gewerbe, Industrie sowie der Verbraucherseite und der öffentlichen Hand sollen Maßnahmen für die vielfältigen Potentiale des Gebäudesektors für die Energiewende eruiert und Herausforderungen entwickelt werden. Ziel ist die Erarbeitung einer umfassenden Effizienz-Strategie Gebäude. Mit der Energieeffizienzstrategie Gebäude soll eine Gesamtstrategie für diesen Sektor entwickelt werden, die den Strom-, Wärme- und Effizienzbereich integriert und alle dafür erforderlichen Maßnahmen umfasst.


Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB)

Bündnis bezahlbares Wohnen und Bauen

Bund, Länder, Kommunen und Verbände haben sich im Sommer vergangenen Jahres auf Initiative des BMUB im Bündnis für bezahlbares Wohnen und Bauen zusammengeschlossen. Auch die Bundesingenieurkammer ist hieran beteiligt. Das Bündnis versteht sich als Prozess und arbeitet in vier Handlungsfeldern:

  • Stärkung der Investitionen in den Wohnungsbau,
  • Senkung der Baukosten,
  • Altersgerechter Umbau im Quartier,
  • Soziales und klimafreundliches Wohnen und Bauen.

In Spitzengesprächen beraten alle Bündnispartner auf oberster Leitungsebene über Ziele, Fortschritte und Ergebnisse der Bündnisaktivitäten. Die Spitzengespräche finden zweimal jährlich unter Leitung von Bundesministerin Dr. Barbara Hendricks mit den Bündnis-Partnern statt.

Aktionsbündnis Klimaschutz

Zur Umsetzung des Aktionsprogramms Klimaschutz 2020 hat die Bundesregierung ein Aktionsbündnis Klimaschutz mit Vertreterinnen und Vertretern aus allen gesellschaftlichen Gruppen berufen. Das Aktionsbündnis soll die Umsetzung der im NAPE beschlossenen Maßnahmen unterstützen, Potenziale aus Beratung, Information und Motivation, und weitere Handlungsmöglichkeiten identifizieren.

Das Bündnis hat erstmals am 25.03.2015 mit Beteiligung der Bundesingenieurkammer getagt und wird anschließend circa halbjährlich jeweils im April und Oktober zusammentreffen.

Baukostensenkungskommission

Nach Konstituierung der Baukostensenkungskommission im August 2014, die laut Koalitionsvertrag preistreibende und überdimensionierte Standards und Kosten von Materialien und Verfahren insbesondere der energetischen Sanierung überprüfen soll, hat diese auf drei weiteren Sitzungen beraten.

Die Baukostensenkungskommission wurde im Rahmen des Bündnisses für bezahlbares Wohnen und Bauen einberufen. Neben der Bundesingenieurkammer nehmen daran auch Vertreter der Bau-, der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft, der Wissenschaft, des DIN sowie Vertreter von Kommunen, der Länder und der ARGEBAU teil. Es sind bisher drei Forschungsprojekte vorgesehen, die Grundlagen für die Diskussion in der Kommission liefern sollen:

  1. Analyse der Verursacher von Investitionskosten im Wohnungsbau (Kurzgutachten);
  2. Einfluss von Qualitätsstufen beim Bauen;
  3. Weiterentwicklung der Lebenszykluskosten-Methodik.

Die Ergebnisse der Kommission werden im Herbst 2015 auf einem Kongress im Rahmen des Bündnisses für bezahlbares Wohnen und Bauen vorgestellt werden.

Arbeitsgruppe „Aktive Liegenschaftspolitik“ im BMUB

Die Bundesingenieurkammer ist im Rahmen des Bündnisses für bezahlbares Wohnen und Bauen auch in der Arbeitsgruppe „Aktive Liegenschaftspolitik“ vertreten. Die Arbeitsgruppe wurde vom Bundesministerium für Umwelt, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) zur Ergänzung der Baukostensenkungskommission eingerichtet.

Sie soll sich mit dem Sonderthema der Baugrundkosten befassen und Handlungsempfehlungen zu der Frage erarbeiten, wie Bauland zeitnah verfügbar gemacht werden kann. In diesem Zusammenhang soll auch untersucht werden, welche Auswirkungen Baulandpreise auf den Wohnungsbau haben und durch welche Maßnahmen und Instrumente Bund, Länder und Kommunen das Angebot an Bauland zu vertretbaren Preisen ausweiten können, wie Baulandpreise gedämpft und vorhandenes Bauland gezielt für den Neubau von Wohnraum eingesetzt werden kann.

Empfehlungen hierzu sollen bis Oktober 2015 vorgelegt werden.


Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastrukturen (BVMI)

Reformkommission Bau von Großprojekten 

Die „Reformkommission Bau von Großprojekten“ hat unter der Leitung von Bundesverkehrsminister Dobrindt mehrfach getagt. Besprochen wurden unter anderem die Themenschwerpunkte „Recht“, „Vergabe“, „Partnerschaftliche Zusammenarbeit“, „Projektorganisation“, „ÖPP“, „Projektsteuerung“ und „Stadtentwicklung. Ziel und Aufgabe der schon vom damaligen Bundesbauminister Ramsauer initiierten Reformkommission ist es, konkrete Handlungsempfehlungen zu entwickeln, um Kostenwahrheit, Kostentransparenz und Termintreue bei Großprojekten zu verbessern und das Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger in die öffentliche Hand als Bauherr zu stärken. Die Bundesingenieurkammer ist in diesem Gremium durch ihren Präsidenten, Hans-Ullrich Kammeyer, vertreten, der in diesem Rahmen auch die Leitung einer Arbeitsgruppe zum Thema „Moderne modellgestützte Planungsmethoden (BIM)“ übernommen hat.

Die durchgängige Digitalisierung aller planungs- und realisierungsrelevanten Bauwerksinformationen als virtuelles Bauwerksmodell („Building Information Modeling“, kurz „BIM“) wird allgemein als eine Erfolg versprechende Möglichkeit gesehen, um Termin- und Kostenüberschreitungen bei Bauprojekten zu vermeiden und die Partizipation zu stärken. In Umsetzung einer der bisherigen Empfehlungen der Reformkommission haben die an der Wertschöpfungskette Bau beteiligten Verbände und Organisationen die Gesellschaft „planen-bauen 4.0“ gegründet, deren Aufgabe es u.a. sein wird, Fördervorhaben und Best-Practice-Beispiele aus dem Umfeld von BIM öffentlichkeitswirksam zu begleiten und so der Digitalisierung des Bauwesens in Deutschland Vorschub zu leisten.
Parallel dazu hat die Bundesingenieurkammer auch einen Vertreter in den neuen Normungsausschuss DIN-AA NA 005-01-39 „Building Information Modeling“ entsendet, der sich am 01.04.2015 konstituiert hat. Damit soll die inhaltliche Ausgestaltung der künftigen Normungsanforderungen aus Planersicht begleitet werden.

Die „Reformkommission Bau von Großprojekten“ hat ihren Abschlussbericht mit Handlungsempfehlungen für Politik, Wirtschaft und Verwaltung  Mitte des Jahres 2015 vorgelegt.