Faire Beschaffung und Nachhaltigkeit in Planung und Ausführung waren die zentralen Themen beim diesjährigen D-A-CH-Treffen der Bundesingenieurkammer, der Bundesarchitektenkammer, der Bundeskammer der Ziviltechniker:innen Österreich und dem SIA Schweizerischen Ingenieur- und Architektenverein – diesjähriger Gastgeber im schweizerischen Winterthur. Das Format bietet traditionell sowohl Raum für den informellen Austauschteil der vier Organisationen mit dem Fokus auf Berufspolitik als auch ein öffentliches Kolloquium zu aktuellen Themen.
Winterthur Deklaration zur postfossilen Vergabekultur
In diesem Jahr widmete sich dieser öffentliche Teil dem Themenfeld „Post-Fossile Wettbewerbe – Verfahren, Instrumente, Erfahrungen“. Die Anforderungen an Klimaschutz, Klimawandelanpassung und die Umsetzungen der Ziele der Klimaneutralität bewirken einen neuen Blick auf die Bau- und Planungspraxis. Dabei geht es nicht nur um technologische Innovationen, neue Produkte und noch höhere Ressourcen und Energieeffizienz. Ins Zentrum des Diskurses rücken damit vielmehr die ökologischen Auswirkungen eines Vorhabens, seine soziale Relevanz und die Anpassungsfähigkeit, was grundlegende Fragen bei der Beschaffung aufwirft – und natürlich Berücksichtigung finden muss.
Die „Winterthur Deklaration zur postfossilen Vergabekultur“ benennt und adressiert zentrale Herausforderungen eines nachhaltigen Vergabewesens und liefert kompakte, praktisch anwendbare Empfehlungen, wie Bauherrschaften postfossiles Planen begünstigen und Organisationen wie Verbände sich positionieren können. So sollen Wettbewerbe erhöhte Planungsunsicherheiten beim Bauen im Bestand berücksichtigen und akzeptieren, Zielkonflikte zwischen Suffizienz, Effizienz und Qualität differenziert bewerten und interdisziplinäre Ansätze gezielt fördern.
Im internen berufspolitischen Austausch kamen von deutscher Seite Punkte wie der Stand der HOAI-Novellierung und die Vergabebeschleunigung mit dem Ringen um den Erhalt der losweisen Vergabe und die Entwicklungen zum „schnellen Bauen“ und dem Gebäudetyp E zur Sprache. Auf besonders großes Interesse stieß bei den Kolleginnen und Kollegen aus Österreich und der Schweiz der EasyCode-Ansatz des Landes NRW für die Bemessung und Konstruktion von Stahlbauten, den vor allem der SIA in seine politischen Gespräche zur Entschlackung des Normungswesens einbinden will.
