Die Qualität unserer Gebäude und Infrastrukturen entsteht lange bevor der erste Spatenstich erfolgt: in der Planung. Die planenden Berufe verantworten komplexe technische und wirtschaftliche Prozesse und stehen dafür in der Haftung. Wird diese anspruchsvolle Leistung dauerhaft über den Preis gedrückt, bleibt das nicht folgenlos. Die Zeit für Variantenuntersuchungen, integrale Abstimmungen oder innovative Lösungen schrumpft – und damit oft das qualitative Niveau des Ergebnisses.
Besonders kritisch ist in diesem Kontext der Fachkräftemangel. Junge Talente entscheiden sich für Branchen mit attraktiven Einkommens- und Entwicklungsperspektiven. Eine angemessene Vergütung ist daher ein zentraler Hebel, um qualifizierten Nachwuchs zu gewinnen und auch um erfahrene Fachkräfte zu halten. Nur wirtschaftlich stabile Büros können systematisch in Ausbildung, Nachwuchsförderung und kontinuierliche Weiterbildung investieren.
Parallel werden Ingenieurleistungen zudem in kostengünstigere Länder verlagert. Deutsche Unternehmen lassen Planungsanteile im Ausland erstellen, um Honorare zu reduzieren. Kurzfristig mag das betriebswirtschaftlich attraktiv erscheinen, langfristig jedoch erodiert die inländische Kompetenzbasis. Wissen, das über Jahrzehnte aufgebaut wurde, wird fragmentiert oder geht verloren. Wertschöpfung und fachliche Exzellenz verlagern sich schleichend aus dem deutschen Markt, während hierzulande qualifizierte Büros und Expertentum unter Druck geraten.
Wer dauerhaft sichere, nachhaltige und wirtschaftliche Bauwerke realisieren will, muss die Planungsleistung als wesentlichen Grundstein und strategischen Erfolgsfaktor begreifen. Ingenieurleistung basiert auf fundierter akademischer Ausbildung, langjähriger Praxiserfahrung und kontinuierlicher Qualifizierung. Dies erfordert Investitionen in Menschen, in digitale Werkzeuge, in Forschung und in lebenslanges Lernen. Wer diese Investitionen einfordert im Kontext von Klimakrise, Digitalisierung oder resilienter Infrastruktur, muss zugleich bereit sein, angemessen zu vergüten. Andernfalls entsteht ein strukturelles Missverhältnis zwischen Anspruch und wirtschaftlicher Realität.
Daraus ergibt sich für uns ein klarer Anspruch: Ingenieurleistung in Deutschland muss sich wirtschaftlich lohnen. Sie ist eine wissensintensive Kernleistung mit hoher Steuerungswirkung und verdient denselben Stellenwert wie andere hochqualifizierte Berufe.
Ihre Basis sind akademische Qualifikation, Praxiserfahrung und kontinuierliche Weiterbildung. Die dafür notwendigen Investitionen in Menschen, digitale Prozesse und nachhaltige Methoden setzen eine angemessene Honorierung voraus. Nur so bleiben Kompetenz, Innovationskraft und Verantwortung im Planungswesen gesichert.
Dr.-Ing. Heinrich Bökamp
Präsident der Bundesingenieurkammer
Beteiligen Sie sich an der Jahresbefragung der Bundesingenieurkammer

Bis zum 15. Juni 2026 wird die Unternehmensbefragung zur wirtschaftlichen Lage der Ingenieurinnen und Ingenieure sowie Architektinnen und Architekten wieder vom Institut der deutschen Wirtschaft aus Köln (IW Consult) durchgeführt. Ziel der jährlich stattfindenden Befragung ist es, verlässliche und belastbare Daten zur wirtschaftlichen Lage der Ingenieur- und Architekturbüros zu erheben, um so eine zielgerichtete politische und wirtschaftliche Interessenvertretung zu gewährleisten.
Um eine möglichst breite Datenbasis zu erhalten, wird die Umfrage gemeinsam von der Bundesingenieurkammer (BIngK), der Bundesarchitektenkammer (BAK), dem Verband Beratender Ingenieure (VBI) und dem Ausschuss der Verbände und Kammern der Ingenieure und Architekten für die Honorarordnung (AHO) durchgeführt.
