Deutschland kann sich Technik- und Innovationsfeindlichkeit nicht leisten

Deutschland kann sich Technik- und Innovationsfeindlichkeit nicht leisten     

  • Humboldthafenbrücke in Berlin

    Seit dem 11. Dezember 2008 macht eine Edelstahl-Tafel am Hauptbahnhof die Berliner und ihre Gäste darauf aufmerksam, dass die von Prof. Jörg Schlaich entworfene Humboldthafenbrücke mit dem Deutschen Brückenbaupreis 2008 ausgezeichnet wurde. Das elegante Brückenbauwerk wurde im März 2008 mit einstimmigem Votum der Jury in der Kategorie „Straßen- und Eisenbahnbrücken“ mit diesem bedeutenden Ingenieurpreis ausgezeichnet.

    Schlaich sei es gelungen, so das Urteil der Jury, mit dem Bauwerk einen Meilenstein im Eisenbahnbrückenbau zu setzen und dem Stahlguss eine Renaissance zu verschaffen. Als besonders positiv wertete die Jury, wie sich die gewählte Konstruktion dem benachbarten Bahnhofskomplex harmonisch und ebenbürtig anpasst. Dies wäre mit den altbekannten Konstruktionen kaum möglich gewesen und unterstreiche die außergewöhnliche technische und gestalterische Leistung aller beteiligten Ingenieure. Die Humboldthafenbrücke beweist, dass Eisenbahnbrücken nicht zwingend schwer, massiv oder hässlich sein müssen.

    Der Präsident der Bundesingenieurkammer, Dr.-Ing. Jens Karstedt, würdigte anlässlich der Tafelenthüllung an der Humboldthafenbrücke die Leistungen der Erbauer der Brücke mit den Worten: „Den Beteiligten ist es gelungen, ein Bauwerk zu erschaffen, das leicht und weit ist. Es beherrscht diesen herausragenden Ort in der Mitte des neuen Berlins, ohne ihn zu dominieren.“ Frau Renate Kaula, Landesvorsitzende des Verbandes Beratender Ingenieure Berlin-Brandenburg, wies darauf hin, wie wichtig es sei, die baukulturellen Leistungen, die Kreativität und der Erfindungsgeist der Bauingenieure in die Öffentlichkeit zu tragen und so zu einer Stärkung der Baukultur beizutragen.

    Preisträger Jörg Schlaich sagte in seiner Rede: „Ein rohstoffarmes, von Innovationen in höchstem Maße abhängiges Land wie Deutschland kann sich nichts weniger leisten als Technikfeindlichkeit. Die Bauingenieure können sich nichts weniger leisten als ein schlechtes Image des Berufsstands. Wir sind für die gesamte technische Infrastruktur zuständig – vom Trinkwasser über den Verkehr bis zur Energieversorgung. Ohne die Bauingenieure gäbe es kein menschenwürdiges Leben auf dieser Erde. Mit einem schlechten Image aber finden sie keinen kreativen Nachwuchs und werden bei der Zuteilung von Forschungsmitteln benachteiligt, was sich dann negativ auf die Lebensqualität aller Menschen auswirkt.“ Schlaich, der einer der bedeutendsten Bauingenieure Deutschlands ist, fasste sein Credo mit den Worten zusammen: „Das einzige der Natur Adäquate, das der Mensch schaffen kann, ist Kultur und Brücken sind ein wichtiger und untrennbarer Bestandteil unserer Baukultur!“

    Als Vertreter des Bauherrn, der Deutschen Bahn AG sprach Dr.-Ing. Eckhart Koch, der dem neu gebildeten Brückenbeirat der Deutschen Bahn AG angehört. Er wies darauf hin, dass  Eisenbahnbrücken schon immer Symbole des technischen Fortschritts waren. Er sagte: „Die Deutsche Bahn AG hat mit der Humboldthafenbrücke den Mut gehabt, sich für ein Brückentragwerk zu entscheiden, zu dessen Realisierung umfangreiche Forschungs- und Entwicklungsarbeit erforderlich war. Nur in enger Zusammenarbeit zwischen dem Bauherrn und den an der Realisierung beteiligten Ingenieuren konnte dieses außergewöhnliche Brückenbauwerk entstehen“.

    Die Verwendung von Stahl als Unterbau und Beton als Überbau stellt das traditionelle Konstruktionsprinzip quasi „auf den Kopf“. Dieser unkonventionelle Einsatz der Baustoffe ermöglicht eine leichte Konstruktion, wie sie bei Eisenbahnbrücken, die hohen Belastungen Stand halten müssen, bisher kaum vorstellbar war. Dazu entwickelten die Ingenieure als innovative Detail-Lösungen Stahlgussknoten, die es in dieser Dimension zuvor nicht gab und die zur Eleganz des Bauwerks wesentlich beitragen. Diese Bauweise wirkte wegbereitend für weitere Projekte.

    Weitere Presseinformationen, Fotos und sendefähiges Filmmaterial erhalten Sie von:

    Jost Hähnel
    Bundesingenieurkammer
    Tel.: 030-2534 2905 oder 0172-3944875
    Fax: 030-2534 2904
    E-Mail: haehnel@bingk.de

    Hiltrud Relecker
    Verband Beratender Ingenieure VBI
    Tel.: 030/26062-210
    Fax: 030/26062-100
    E-Mail: relecker@vbi.de
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