Ethischer und technischer Anspruch – eine Verpflichtung für Beratende Ingenieure

Auf der Suche nach ethischer Orientierung nehmen Leitsätze, Grundsätze und Selbstverpflichtungen für Beratende Ingenieure eine Vorzugsstellung ein.

Ruf, Erfolg und Ansehen eines Unternehmens, aber auch einer Berufsgruppe, stehen oder fallen mittlerweile auch mit dem Nachweis eines ethisch vertretbaren Geschäftsgebarens. Bei einem an höheren Werten als nur einseitig an Profit orientierten Management, wie es sich Beratende Ingenieure zum Ziel gesetzt haben, werden eindeutige Prioritäten gesetzt. Diese Prioritäten: Fleiß, Zuverlässigkeit, Termintreue, technische Kompetenz und gemeinwohlorientierte Arbeit, unterstreichen den Anspruch Beratender Ingenieure, als unabhängige Treuhänder des Auftraggebers frei von Lieferinteressen, eigenverantwortlich und ethischen Prinzipien gehorchend zu agieren.

Ein Ethikbegriff, der diese Leitsätze der Beratenden Ingenieure umfassend beschreiben soll, muss die Zwecke und Funktionen ihres Wirkens kritisch durchleuchten. Dazu bedarf es der Sensibilisierung und eines hohen Bewusstseins von den zentralen Menschheitsproblemen unserer Zeit, z.B. der Klimaproblematik und der Erschöpfung der endlichen Rohstoff- und Energieressourcen.

Berufsethische Leitsätze dienen auch der Orientierung des Berufsstandes. Sie entlasten den einzelnen bei der Beantwortung der Frage nach dem Guten, Wünschbaren und Sachgerechten. Sie befreien ihn aber nicht von der Pflicht zur Orientierung am Gemeinwohl. Diese Pflicht steht zweifelsohne oftmals in Konflikt mit dem persönlichen Karrierestreben und dem eigenen Geschäftsinteresse.

Beratende Ingenieure können ihre gesellschaftliche Rolle nicht nur dadurch neu definieren, dass sie sich um politische Ämter bewerben und auf diese Weise eine Plattform suchen, von der aus sie gesellschaftliche Ziele verändern können, sondern in erster Linie dadurch, dass sie die Art und Weise neu bestimmen, wie sie technische Probleme auffassen. In der Vergangenheit sind dabei häufig Probleme allein anhand des Grades ihrer technischen Komplexität bewertet und in ihrer technischen Dimension verstanden worden, statt in den größeren Zusammenhang zwischen Mensch, Maschine, Technik, Kultur und Umwelt. Mit dem verengten beruflichen Selbstverständnis stellten sich auch versierte technische Dienstleister vorbehaltlos in den Dienst anderer Interessen.

Ingenieure, die Qualität und Sicherheit einer technischen Dienstleistung ohne Rückgriff auf den höheren kulturellen Zusammenhang bemessen, untergraben aber nicht nur ihre eigene Glaubwürdigkeit in der Öffentlichkeit, sondern degradieren sich zum bloßen Werkzeug. Sie verzichten darauf, sich an einer umfassenderen Diskussion wünschbarer gesellschaftlicher Ziele zu beteiligen. Dabei kann nicht entschuldigend wirken, dass die gegenwärtigen Entscheidungsverfahren in der Regel von Zahl und Maß bestimmt werden, wie z.B. in der Kosten-Nutzen-Analyse. Faktoren, wie die Einbettung in natürliche Gegebenheiten, menschliche Fehlbarkeit oder die ästhetische Seite eines Problems, bedürfen deshalb der besonderen Beachtung.

Beratende Ingenieure üben einen beträchtlichen Einfluss auf technische Entwicklungen aus. Auch wenn sie nicht unmittelbar diejenigen sind, die darüber entscheiden welches Bauwerk errichtet und welches Produkt eingeführt wird, sind es doch sie, die sie planen und konstruieren, Qualitäts- und Sicherheitstests durchführen sowie technische Systeme betreiben und in Gang halten. Ihre Handlungen und Unterlassungen beeinflussen das Gemeinwohl in erheblichem Maße. Angesichts des Wesens vieler Techniken wirkt sich ihre Arbeit, zum Besseren oder Schlechteren, viel stärker auf das Gemeinwohl aus, als die Tätigkeiten vieler anderen Bürger. Daher können Beratende Ingenieure auf einen höheren Grad von Sorgsamkeit verpflichtet werden.

Sich ethisch zu begreifen, bedeutet für unsere Kammermitglieder gleichermaßen Fairness gegenüber Kunden, Marktteilnehmern und Mitarbeitern zu wahren sowie Offenheit gegenüber den berechtigten Eigentümerinteressen zu zeigen.

Überprüfbare Ethikstandards entwickeln sich für die Unternehmen in den deutschen Ingenieurkammern zu einem bedeutenden Wert; in absehbarer Zeit vielleicht zu dem entscheidenden Wettbewerbsvorteil für den Wirtschaftsstandort Deutschland.

Leitlinien für Auftraggeber und Auftragnehmer bei Ingenieur- und Archtiektendienstleistungen

Die Bundesingenieurkammer hat zusammen mit VBI, BDB, AHO, BAK, BDA und VUBIC einen gegenseitigen Verhaltenskodex zur Vermeidung von Korruption vereinbart. Ähnlich wie in den Leitlinien für die Bauwirtschaft wird auch hier das besondere Vertrauensverhältnis zwischen den Vertragsparteien von Ingenieur- und Architektenleistungen auf der Grundlage eines gemeinsamen Qualitätskodex konkretisiert. Kern der Gemeinsamen Leitlinien sind die Grundsätze für ein Integritätsprogramm, mit dessen Umsetzung Korruption verhindert werden soll.

Downloads zum Thema

– Leitlinien für Auftraggeber und Auftragnehmer bei Ingenieur-und Architektenleistungen (Download der Vereinbarung vom 21.07.2003 als pdf-Dokument – 93 kb)

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