Die Bundesstiftung Bauakademie stellte am 23. Juni 2026 im Roten Saal am Schinkelplatz in Berlin die zentralen Ergebnisse des ersten „Transformationsbarometers Bauwirtschaft“ vor. Sören Bartol, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen und Stiftungsratsvorsitzender, eröffnete die Veranstaltung und ordnete die Bedeutung der Ergebnisse für die aktuelle Baupolitik ein.
Im Anschluss präsentierte Kerstin Faber, Programmleiterin der Stiftung und Projektleiterin des Transformationsbarometers, die wesentlichen Befunde. Diese bildeten die Grundlage für ein anschließendes Tischgespräch, an dem für die Bundesingenieurkammer Norbert Gebbeken teilnahm.
In die Diskussion brachten zudem Vertreterinnen und Vertreter zentraler Verbände und Kammern ihre Perspektiven ein, darunter Norbert Gebbeken (BIngK), Wiebke Ahues (BAK), Dr. Matthias Frederichs (BBS), Tim-Oliver Müller (HDB), Felix Pakleppa (ZDB) und Karl-Sebastian Schulte (ZDH). Moderiert wurde die Veranstaltung von Friederike Meyer (BauNetz) und Christoph Schild (BDB).
Auftakt für langfristige Beobachtung der Bautransformation
Mit dem erstmals vorgelegten Transformationsbarometer Bauwirtschaft 2025/26 schafft die Bundesstiftung Bauakademie eine datenbasierte Grundlage zur Einordnung des Fortschritts hin zu ressourcenschonendem und emissionsarmem Planen und Bauen. Zugleich markiert der Bericht den Auftakt für ein dauerhaft angelegtes Instrument: Künftig soll das Transformationsbarometer im zweijährigen Turnus erhoben werden, um Entwicklungen systematisch zu verfolgen und vergleichbar zu machen.
Die erste Erhebung basiert auf einer bundesweiten Befragung von 4.515 Unternehmen der Wertschöpfungskette Bau sowie ergänzenden Interviews. Sie liefert eine erste Bestandaufnahme durch Akteure des Bausektors und zeigt, dass Transformationsansätze bereits in der Planungs- und Baupraxis verankert sind, jedoch in unterschiedlicher Intensität.

Instrument mit Orientierungsfunktion für Politik und Praxis
Mit der Analyse wird ein Referenzrahmen geschaffen, der künftig eine belastbare Beobachtung von Veränderungen ermöglicht. Das Transformationsbarometer ist dabei als lernendes Instrument angelegt, das in den kommenden Erhebungsrunden weiter geschärft werden soll.
„Das Transformationsbarometer liefert erstmals ein systematisches Lagebild über Fortschritte und Hemmnisse bei der Transformation der Bauwirtschaft entlang der Wertschöpfungskette Bau. Entscheidend ist nun, die identifizierten Handlungsfelder konsequent in bessere Rahmenbedingungen für Planung und Umsetzung zu überführen,“ erläuert Prof. Dr.-Ing. Norbert Gebbeken, Präsident der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau und für die Bundesingenieurkammer Beiratsmitglied der Bundesstiftung Bauakademie. Mit Blick auf die planenden Berufe betont Prof. Dr.-Ing. Gebbeken: „Für Ingenieurbüros ist insbesondere relevant, dass zentrale Herausforderungen wie Zukunftsfähigkeit, Wirtschaftlichkeit, Fachkräftesicherung und regulatorische Anforderungen gemeistert werden.“
Zentrale Ergebnisse
Bestand im Fokus: wirtschaftliche Hürden bleiben
Der Umgang mit dem Gebäudebestand prägt die Baupraxis. In rund drei Viertel der Fälle entscheiden sich Planungsbüros für den Erhalt bestehender Gebäude. Gleichzeitig bleibt die Wirtschaftlichkeit eine zentrale Herausforderung: Wird ein Gebäude abgerissen, dann sind zu rund 60 Prozent Kostenaspekte der wesentliche Grund für die Abrissentscheidung.
CO₂-Minderung zunehmend etabliert, aber nicht flächendeckend
Bei der Reduktion von CO₂-Emissionen zeigen sich deutliche Fortschritte. Maßnahmen zur Energieeffizienz gehören vielfach zum Standard: 59 Prozent der Unternehmen planen oder realisieren regelmäßig Lösungen zur Senkung des Energiebedarfs von Gebäuden. Weitergehende Ansätze wie die Wiederverwendung von Bauteilen oder Lebenszyklusanalysen sind hingegen noch nicht flächendeckend etabliert.
Ressourcenschutz gewinnt an Bedeutung
Auch im Bereich Ressourcenschutz und Kreislaufwirtschaft wird eine zunehmende Relevanz sichtbar. Recycling- und nachwachsende Baustoffe spielen in vielen Projekten bereits eine mittlere bis große Rolle. Dennoch bestehen weiterhin Hemmnisse, insbesondere fehlende Standards und Normung, höhere Kosten sowie Haftungsfragen erschweren die breitere Umsetzung der Wiederverwendung von Bauteilen.
Fachkräfte und Rahmenbedingungen als zentrale Engpässe
Das Transformationsbarometer macht zudem strukturelle Herausforderungen deutlich. Neben wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und regulatorischen Anforderungen wird insbesondere der Fachkräftemangel als limitierender Faktor benannt: 72 Prozent der befragten Unternehmen berichten von Schwierigkeiten bei der Gewinnung qualifizierter Fachkräfte.

Über das Transformationsbarometer
Mit dem Transformationsbarometer Bauwirtschaft 2025/26 liegt erstmals ein gemeinsames Instrument der Bundesstiftung Bauakademie mit zentralen Kammern und Verbänden der Branche vor, das den Wandel hin zu ressourcenschonendem und emissionsarmem Planen und Bauen in Deutschland systematisch erfasst. Kooperationspartner sind Bundesarchitektenkammer (BAK), Bundesingenieurkammer (BIngK), Bundesverband Baustoffe – Steine und Erden (BBS), Hauptverband der Deutschen Bauindustrie (HDB), Zentralverband Deutsches Baugewerbe (ZDB) und Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH). Es dokumentiert den Status quo, bündelt Praxiserfahrungen und schafft Transparenz über die Herausforderungen entlang der Wertschöpfungskette Bau.
Die Dokumentation versammelt die Ergebnisse einer zweistufigen Untersuchung. Auf Grundlage einer bundesweiten Onlinebefragung und ergänzender Einzelinterviews eröffnet sie einen Einblick in fünf Transformationsfelder: Bestandserhalt und Neubau, Reduktion von CO₂-Emissionen, Ressourcenschutz und Kreislaufwirtschaft, Digitalisierung und KI sowie Kompetenzen und Fachkräfte. So entsteht ein branchenübergreifendes Bild vom Stand der Transformation.
